Der schlimmste Feind des Menschen ist seine eigene Phantasie

Und die lässt sich nicht so einfach abstellen. Der Verstand funktioniert auch zur Gefahrenabwehr. Die eigene Intelligenz hilft das ein oder andere Mal, sich gar nicht erst in eine gefährliche Situation zu begeben, die wahrscheinlich eingetreten wäre.

Nun lässt es sich bei diesen Gedanken schwer im Nachhinein feststellen, ob eine im Vorhinein gefährlich gewordene Situation im tatsächlich eine Gefahr mit sich gebracht hätte.

Ich muss also eine Abwägung treffen, welches Risiko ich eingehe.

Normalerweise treffen diese Abwägung, solange ich nicht selber entscheidungsfähig bin, meine Eltern, und wenn ich alt genug bin, ich selbst.

Was mich allerdings umtreibt, ist die derzeitige politische Stimmung, Alles und Jeden zu dramatisieren, wenn es den eigenen Zielen passt. Demonstranten und Polizei geraten aneinander? Lasst uns ein #Gefahrengebiet einrichten. Ein paar Idioten rennen schreiend im Kreis und rufen, dass wir von Roma und Rumänen (klingt ja auch so ähnlich) überschwemmt und überrannt werden, die UNSER HartzIV wollen (was war noch mal so toll daran?). Auch wenn die Zahlen etwas anderes sagen. Wer von qualifizierten Zuwanderen aus diesen Ländern spricht, wird schon verächtlich angesehen. Merkst Du nicht, wie sehr Du unsere Panikmache störst?

Wenn wir die Vorratsdatenspeicherung nicht bekommen, wird Deutschland von Terroristen zerbombt? Ach das stimmt ja gar nicht? Na dann erwischt es vielleicht ein paar Kinderschänder? Ach auch nicht? Na dann halt die ollen Wichser, die Pornos gucken und vielleicht noch das lärmende Nachbarskind (das lädt sich doch bestimmt illegal Musik herunter). Somit wäre das persönliche Abneigungsprofil noch durch staatliche Institutionen legitimiert.

Und über das ganze Geschrei und die Empörung sieht Niemand mehr, wie die Staatsgewalt immer überforderter reagiert und wie wir mit unserer Empörung mit ihrem Handeln jedem hingeworfenen Stöckchen hinterherspringt. Um am Ende zu erschöpft und verwirrt zu sein, um wahre Gefahren noch zu erkennen, geschweige denn abwehren zu können.

Nun mal einen Schritt zurück: Wozu brauchen wir diesen übergeordneten Schutz noch mal?

Ab und an hilft es mir wirklich, mal etwas komplett entspanntes zu tun, mal einen Schritt zurück zu gehen und mir noch mal zu überlegen: Wohin wollte ich jetzt damit? Komme ich damit eventuell selber klar, ohne mir selbst dabei Steine und Stöckchen in den Weg zu legen? Vielleicht schadet mir die Vorratsdatenspeicherung, und ich klingele einfach mal bei den Nachbarn, und frage ob sie dem vorlauten Sohnemann mal vernünftige Kopfhörer für die Musik schenken (wo auch immer er den Lärm her hat), vielleicht mache ich den Mund auf und sage, dass ich kein Gefahrengebiet in meiner Stadt will, weil ich lieber entspannt noch in die Kneipe zum Bierchen will, anstatt schnell ins Bett zu huschen, aus Angst dass die Polizei mich kontrollieren und erfassen könnte.

Vielleicht denke ich einfach mal selbst. Und lasse die Aufregung der Anderen deren Problem sein.

Das Leben kann so einfach sein.

 

 

 

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