Schwarmintelligenz

Ja was denn nun? Erst heißt es, der Schwarm wäre intelligent, und nun ist er es doch nicht. Alle Argumente dafür wären entkräftet.

Eindrucksvoll wurden uns in den Medien Bilder präsentiert, von riesigen Schwärmen von Vögeln, Fischen und allem, was halt so schwärmt.

Große Schwärme können Raubtiere verwirren, können geschickt ausweichen; sind in der Lage, sich schnell zu bewegen, ohne dass einzelne Tiere oder Insekten des Schwarms sich dabei berühren oder behindern.

Dann gibt es diese Masseninitiativen, die sich über moderne Kommunikationswege organisieren. Zum Beispiel über dieses Internet. Genau, dieses Etwas, das so dringend kontrolliert und beschränkt werden muss, weil sonst jeder alles lesen könnte.

Wie zum Beipiel diesen Text hier.

Eine der bekanntesten Initiativen, die mit dem Wort Schwarmintelligenz in Verbindung gebracht wurde war Guttenplag. Jemand stellte die Doktorarbeit von Theodor von Guttenberg online, weil er vermutete, dass dort plagiiert wurde, aber alleine nicht die Arbeitsleistung aufbringen konnte, jede Stelle zu überprüfen. Dem folgten andere, unter anderem ist Frau Schawan nun auch ihren gefakten Doktortitel los.

Das Ergebnis ist allerdings, wie häufig mystifiziert, eine geheimnisvolle Intelligenz des Schwarms, die die Summe der Individuen auf unerklärliche Weise übertrifft, sondern eine reine Aufsummierung von Fleißarbeit.

Stellen in der Doktorarbeit mit bekannter Fachliteratur abgleichen und gleiche Inhalte markieren. Das war alles.

Hierfür reicht auch eine mäßige Intelligenz.

Aber was ist denn nun diese Schwarmintelligenz?

In der Wissenschaft werden deutlich mehr und bessere Ergebnisse erzielt, wenn das errungene Wissen frei zur Verfügung steht, und möglichst Viele darauf zugreifen können. Wenn eine möglichst hohe Anzahl von Menschen eventuell auf den Punkt kommen kann, der die Forschung dann weiter führt, wird dies wahrscheinlicher passieren, wenn mehr Menschen sich damit beschäftigen (können).

Was hat dies mit instinktiven und unbewusst abgestimmten Reaktionen in einer Gruppe zu tun? Nun, eher nichts. Das ist gemeinsame Rechenleistung von Gehirnen, und sonst nichts.

So bringt also weder esoterisches Hochjubeln des Begriffes, noch eine krampfhaftes Zurückschwenken auf Individualismus irgend jemanden auch nur ein Stück weiter.

Ich sehe diese Gedankenwelt, dass, was richtig und gut ist, eine automatische Manifestation in den Köpfen der Menschen erlebt, als etwas destruktives an. Es scheint im Moment so selbstverständlich für jeden zu sein, dass körperliche Fitness nur mit regelmäßigem Training zu erreichen ist; dass ein Astralkörper und sportliche Höchstleistung nur mit Anstrengung und regelmäßiger Übung zu erreichen ist. Dass es mehrere Menschen braucht, um schwere Lasten zu bewegen.

Geht es aber um gedankliche Höchstleistungen, muss es in die Wiege gelegt sein, oder zumindest so wirken.

Während sich ein Marathonläufer durchaus schinden und quälen muss, soll gedankliche Leistung spielend leicht erscheinen. Wir haben es ja im Kopf. Echt jetzt?

Noch mal zu der simplen, offensichtlichen Schwarmintelligenz. Zum Beispiel schließen sich Stare im Herbst zu immer größeren Schwärmen zusammen. Sie fliegen, lang vor ihrer Reise in wärmere Gefilde, immer wieder im Schwarm auf und praktizieren komplizierte Flugmanöver - sie üben. Sie perfektionieren das durch Instinkt initiiierte Verhalten, indem sie sich immer wieder daran erproben. Hirn und Muskeln werden auf die bestmögliche Reaktion eingestimmt.

Jetzt gibt es Möglichkeiten, diesen Schwarm zu beeinflussen. Es gibt in jeder Gruppe, Herde oder eben im Schwarm Tiere (oder Menschen), die die nächste Bewegung einleiten.

Der wesentliche Teil des Schwarmverhaltens besteht aber immer noch aus Reaktion. Und eben nicht aus Planung und Taktik.

Hier kommen die Kritiker von übergreifenden Gemeinschaftsarbeiten mit dem Begriff Schwarmdummheit um die Ecke. Oh Wunder, nicht jede Bewegung des Schwarms ist frei von Makel und von Vorteil für das einzelne Individuum. Fehler und Unvorhersehbarkeiten können trotz der Masse an Beteiligten gemacht werden.

Individuen verlassen sich auf die Entscheidung des Schwarms und geben so sowohl ein gewisses Maß an Selbstbestimmung als auch persönliche Vorteile auf.

Das ist die Natur eines Schwarms. Der Vorteil für die Masse überwiegt.

Will ich das volle Potenzial einer Gemeinschaft ausnutzen will, muss zum einen das Ziel klar definiert werden, zum anderen die zielführende Fähigkeit getriggert werden. Geht es um eine Bewegung, eine einfache Fleißarbeit, oder soll das volle geistige Potential zur Entwicklung neuer Ideen ausgeschöpft werden.

Vor allem muss ich überlegen, wie die Aufgabe über alle ideellen Werte und edlen Ziele hinaus interessant gestaltet wird. Unsere Stare starten ihre Schwärme zwar aus der Notwendigkeit heraus, den Winter und das Fortbestehen der Art zu sichern heraus. Aber ich denke nicht, dass ein Star darüber nachdenkt.

Stare scheinen eine gewisse Freude daran zu empfinden, im Herbst auf viele Artgenossen zu treffen, und mit diesen immer kompliziertere Flugmanöver zu machen. Genauso gibt es Menschen, die sich an einer ehrenamtlichen, gemeinschaftlichen Aufgabe beteiligen, weil sie die damit verbundene Tätigkeiten gern ausfüren. So wie ein Sportler, der nicht für die Medaille den Marathon mit läuft, sondern weil er sich gerne bewegt, und evtl. Freude daran empfindet, seine körperlichen Grenzen auszutesten.

 

 

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