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Wachstum. Das ist das Zauberwort, dass die Götter der Wirtschaft für immer besänftigen soll. Wenn wir nur den Wachstum erhöhen, dann wird alles gut.

Was ich nie so richtig verstanden habe, war das Argument, dass wir dazu auch mehr Ressourcen opfern müssen. Auf den ersten Blick erscheint das die bestechend logische Linie in einem immer komplexer werdenden Geflecht von Firmen; von Rohstofflieferanten über Verarbeiter und Händler bis hin zum Endkunden.

Was heute davon zu spüren ist, merkt man, wenn der Wasserkocher nach 1,5 Jahren aufgibt; wenn der Akku des iPhones exakt die prognostizierten (in der Garantie enthaltenen) Ladezyklen erreicht. Und dann in seiner Leistung abstürzt.

Wenn es normal wird, dass die Einkaufsstraße voll von Primark-Tüten ist, dessen Kleidung schon zu fludderig ist, um sie nach Gebrauch in den Second-Hand Markt zu geben.

Wegwerfrasierer, Wegwerfkleidung. Wegwerfen als Wirtschaftsmotor.

Wir könnten zumindest einen Anfang machen, in dem wir wieder auf hochwertige Produkte wechseln. Maschinen, Kleidung, Möbel und Elektronik, die möglichst lang in Gebrauch bleiben kann. Selbst bei Produkten, die einem schnellen technischen Wandel unterworfen sind, gibt es Möglicheiten, diese mit langer Softwareunterstützung und -kompatibilität oder mit Bausteintechnologie länger in Gebrauch zu halten.

Weniger kaufen, aber dafür Hochwertiges schafft bei geringerem Verbrauch an Rohstoffen die gleiche Wertschöpfung. Wo es hakt ist ganz am Anfang, bei den Produzenten der Rohstoffe. Aber aich hier braucht es einen Strukturwandel, damit hier keine Menschen auf der Strecke bleiben. Es braucht die Politik, damit Menschen, die nach der produzierten Masse bezahlt werden, angemessen an den geschaffenen Werten von hochwertigerer Ware beteiligt werden.

Sonst ist unsere Wegwerfgesellschaft irgendwann selbst obsolet. Der Markt wird es dann regeln. Wir stehen zur Disposition.

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So, Donald Trump hat also das Klimaabkommen gekündigt. Er meint, damit Stärke zu zeigen, und leistet der amerikanischen Wirtschaft - sowie allen anderen - damit einen Bärendienst.

Eine Gesellschaft in der keiner mehr Schwäche zeigen darf, unterscheidet sich grundlegend von einer Gesellschaft, in der Schwächen behoben werden. Wenn nichts Falsches mehr auf den Tisch kommen darf, kann auch nicht daran gearbeitet werden.

So ist der wegfallende Zwang, ökologisch und wirtschaftlich handeln zu müssen, für schlecht wirtschaftende und wenig innovative Unternehmen zwar im ersten Moment ein Gewinn. Langfristig schadet es aber denen, die sich anstrengen; die in neue Technologien und sparsamen Umgang mit Ressourcen inverstieren. Seltsamerweise scheint es vollkommen akzeptabel zu sein, eine Firma, und damit die anfallende Arbeit, mit möglichst wenig Menschen umzusetzen. Dies mit möglichst wenig Einsatz von Rohstoffen und Energie, bzw. Umweltschäden zu verwirklichen, scheint Wirtschaftsliberalen geradezu ein Dorn im Auge zu sein.

Und dabei sind gerade diese Anforderungen eine Möglichkeit, die Wirtschaft eines Landes - und damit die einzelnen Unternehmen - zukunftssicher zu machen.

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, wo die Menschen die ersten Schritte zu den Sternen machten. Wo es cool war, neue Dinge zu entdecken, zu erfinden, und einfach besser zu werden, wieder auf die Fresse zu fallen, und wieder aufzustehen, um diesmal noch weiter zu gehen.

Jetzt bin ich in einem Alter, in dem ich nicht akzeptiere, auf ein Rentenalter zu schauen, in dem ich in der Ecke sitze und jammere "früher war alles Besser".

 

 

Update:

Tesla -Chef Elon Musk reagiert bereits, und droht mit Stopp der Zusammenarbeit.

 

Was ist die Cloud? von ddeimeke

Was man von Cloud-Dienstleistern erwarten sollte, und was nicht.

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Die Süddeutsche Zeitung stellt einen Film über alternative Schulsysteme vor. Ein Gedankenanstoß, dass rein auf Bedürfnisse der Wirtschaft abgestimmte Bildung kein Qualitätsmerkmal ist: Artikel der SZ

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Netzpolitik.org schreibt über Sicherheitsesotherik. Warum die Vorratsdatenspeicherung für Wirtschaft sowie Menschen eher schädlich ist:

https://netzpolitik.org/2017/vorratsdatenspeicherung-ab-juli-schlecht-fuer-grundrechte-und-provider/

Ich hab mal wieder eine Leseempfehlung für euch: Der Enno Lenze schreibt über die #Lügenpresse, oder bzw. das, was sie eben nicht ist.

. https://ennolenze.de/desinteresse-statt-luegenpresse/2417/

Auch hier wieder: dieses Motto: kleiner ist besser, weniger ist mehr. Presse versucht, wie der Rest der Wirtschaft, möglichst kostengünstig zu produzieren. Investitionen? Fehlanzeige. Gut ausgebildetes, langjährig eingegliedertes Personal? Hahaha. Andererseits fallen mir immer mehr die Bettel-Popups der Onlinepräsenzen von Zeitungen auf, die einem das schlechte Gewissen vorgeben. Du zahlst nicht? Du bist böse.

Den Kunden als Zwangskonsumenten zu betrachten, ist ein Problem, das sich durch die gesamte Wirtschaft zieht. Die Abwärtsspirale wird schon durch die Ausbildung der zukünftigen Führungskräfte vorgegeben. Menschliche Kälte galt lange als Ideal. Schließlich ging es um Zahlen, um das Unternehmen. Um ein höheres Ziel. Aber genau das Gegenteil kam dabei heraus. 

Humankapital. Das hört sich so schön sachlich an. Ersetzbar. Aber wir befinden uns nicht in der Matrix, in der Wissen und Erfahrung einfach implementiert werden können. Das Management bleibt c.a. 2-4 Jahre an ihrem Platz, und muss in der Zeit zusehen, die schreckhaften, besorgten Märkte (bzw. Anleger) nicht zu verunsichern, und damit zu bringen, das Kapital aus dem Unternehmen zu ziehen. Dabei sind die Geldgeber so weit von den Zielen eines Unternehmen weg, wie sonstwas.

Wir brauchen wieder eine Unternehmenskultur soweie eine Konsumentenkultur, in der Qualität wieder zählt, sowie ein System, in dem auffällt, ob Qualität tatsächlich vorhanden ist, oder nur ein Image verkauft wird. 

Wie wir das bekommen? Das wird viel Arbeit. Von Vielen, von Idealisten, von klugen Menschen, die das Potential in den Luftschlössern der Idealisten erkennen, und Sinnloses von Gutem filtern können. 

3 Comments

Als vor einigen Jahren der dystopische Kino-Dreiteiler "Matrix" in die Kinos kam, fand ich eine Idee darin sowohl faszinierend, als auch bedenklich.

Es gibt Szenen, in der die Hauptrolle Neo Wissen über bestimmte Dinge benötigt (hier Umgang mit Waffen, asiatische Kampfkünste und wie man einen Hubschrauber fliegt) und für dieses Wissen und Fähigkeiten einfach an Rechner angeschlossen wird. Das Wissen wird aufgespielt. Danach bekommt er einfach noch ein wenig Training für Reflexe und Muskelaufbau. Fertig.

Es scheint mir, dass viele Menschen in meiner Umgebung mittlerweile genau diese Vorstellung haben, wie das Aneignen von Wissen und Erfahrung funktioniert.

Noch viel schlimmer "der kleine <Modename> ist ja so ein Naturtalent in Mathematik und die arme <Modename> muss ja alles immer erst lernen *traurige Mimik*". Diese Dame sprach über ihre eigenen Kinder. Und wenn ihre Tochter das erst lernen muss. Na und?

Vielleicht entwickelt sie über das Lernen eine eigene Herangehensweise. Vielleicht hat sie einfach eine praktischere Ader oder vielleicht liegen ihre Fähigkeiten woanders?

Der Prozess des Lernens kann sehr spannend sein. Auf diesem Weg kann man linear ein Thema verfolgen, oder dieses mit anderen Themenfeldern verknüpfen. Wenn ich Menschen erzähle, dass Knochen sich bei Beanspruchung verstärken - da wo sie am stärksten belastet sind - und man deshalb Sport machen sollte, nicken alle und verstehen es sofort.

Sage ich dagegen, dass man sein Hirn betätigen soll, damit sich das Gelernte verfestigt, ist so oft einer dabei, der die Buzzwords "aber … Naturtalent" in den Raum wirft.

Das ist so traurig, und zeigt so eine geringe Anerkennung des eigenen Nachwuchses.

Lernen erzeugt Denken, und Denken neue Ansätze. Wollen wir wirklich nur noch angeblich wirtschaftskonforme Menschen heranziehen, bis die Wirtschaft merkt, dass sie den innovativen Charakter eines Menschen, der nur durch Denken und Lernen entsteht, auch benötigt?

Wo ist der Spaß, den wir uns und anderen gönnen?

Werft doch mal den Satz "Leben ist nicht nur Arbeit." in den Raum. Kopfnicken. Und in Abstand von ein paar Minuten "Auf sein Privatleben muss man auch für einen Job verzichten." Kopfnicken. Das habe ich für euch getestet. Mehrfach.

Genau da führt das hin, wenn man Denken als etwas Schlechtes darstellt.

 

Wenn der Chef von seinen Angestellten unternehmerisches Denken erwartet, ist oft alles, nur nicht das damit gemeint.

Von außen würde man sich darunter vorstellen, dass ein Angestellter auf der untersten Hierarchieebene den Weitblick entwickelt, den der Chef benötigt, um sein Unternehmen auf internationalem Boden nach vorn zu bringen; sowie die Übersicht die Stärken und Schwächen des eigenen Betriebes genau zu kennen.

Soweit so gut. Nur manchmal wird der Anspruch auf diese Fähigkeiten auf die reine Verhaltensweise in einem Konkurrenzkampf heruntergebrochen. Und somit pervertiert sich der Gedanke zu einem menschenfeindlichen Arbeitsumfeld, in dem sich zunehmend unlautere Methoden durchsetzen.

Auf Firmenebene haben sich zahlreiche Gesetze und Regelungen im Umgang miteinander etabliert. Kartellrecht, Patentrecht, vieles mehr regeln, welche Steine ich einem Konkurrenten in den Weg legen darf. Wie ehrlich meine Präsentation gegenüber einem potentiellen Kunden sein muss.

Auf persönlicher Ebene im selben Unternehmen, eventuell sogar in der selben Abteilung, sehen diese wenn auch nur moralischen oder gesellschaftlichen Regeln schon nicht so klar aus.

Und dort fängt das Ganze an, schädlich zu werden. Wenn Mitarbeiter eines Unternehmens einem so starken Konkurrenzdruck ausgesetzt sind, dass sie einen spürbaren Anteil ihrer Arbeit dafür aufbringen, sich in einem feindlichen Umfeld gegeneinander zu behaupten, sinkt automatisch nicht nur die Produktivität, sondern auch jeder innovative Ansatz an Zusammenarbeit und an positiven Synergien. Damit wird der Blick eines jeden Mitarbeiters auf den Unternehmenserfolg durch einen Tunnelblick in Angst um die eigene Existenz und oder Identität ersetzt. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.

Corporate Cannibal 

Update 07 2014
Tja der Gabriel. Wie man hört, sagt er nix. Campact zu TTiP prangert zurecht.

Zu diesem unsäglichen Handelsabkommen gab es ja schon Einiges zu lesen, aber dass Journalisten noch nicht mal mehr Fragen stellen dürfen, sagt dann wohl alles aus.

* Update* 13.03.2014  http://is.gd/LIBE_NSA Abschlussbericht des Ausschusses

" Das EU Parlament in Straßbourg hat heute den Abschlussbericht des LIBE Untersuchungsausschusses zum NSA Skandal behandelt und ein entsprechendes Maßnahmenpaket verabschiedet. Unter anderem wurde beschlossen TTIP so lange zu blockieren, bis die Gundrechte von EU Bürgern von den USA respektiert werden."

 

14.03.2014 Heute noch die Bundestagspetition mitzeichnen :

http://t.co/M3t7UVGIAS