Monthly Archives: February 2016

  Hier meine aktuelle Leseliste für verkühlte Spätwinterabende:

Die vernetzte Welt sorgt für uns, aber auch in unserem Sinne? When the self driving car ignores what you want. https://motherboard.vice.com/read/one-star

Das Zeitalter der Massenhysterie. http://www.fraumeike.de/2016/das-zeitalter-der-massenhysterie/

Toxic Workers? http://www.hbs.edu/faculty/Publication%20Files/16-057_d45c0b4f-fa19-49de-8f1b-4b12fe054fea.pdf 

Dank @forschungstorte: Wie man Texte nicht mit *_Innen-Gedöns unlesbar macht: https://twitter.com/forschungstorte/status/701469470049566721

Wie geht man mit Verschwörungstheorien um? https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/aktuelles/2015/broschuere-zum-umgang-mit-antisemitischen-verschwoerungstheorien

Kattascha zum Staatstrojaner http://kattascha.de/?p=2127

Patrick Breyer über bereits existente Bargeldobergrenzen  Http://www.shz.de/deutschland-welt/netzwelt/bezahlen-im-netz-bargeld-ist-kein-verbrechen-id12857756.html

Dreck reinigt den Magen.

Hat meine Oma immer gesagt. Und zwar wenn es bei den Erdbeeren noch mal zwischen den Zähnen knirschte. Ja moment mal, liest man in den ganzen Magazinen. Der ganze Schmutz ist doch voller Bakterien und Gedöns, und wenn man nicht schon im frühesten Kindesalter sein Immunsystem damit trainiert, bringt das im Alter auch nichts mehr.

Und wieder haben wir einen Fall von akuter Klugscheißerei, die mangels Information falsch abbog.

Was meine Oma auch immer sagte, war: Aber nur Dreck, nicht Schmutz. 

Sie meinte also den Sand, der manchmal sogar ein wenig im Gemüse eingewachsen ist. In früheren Zeiten stimmte das auch. Wurmerkrankungen waren gar nicht mal selten, und gegen Parasiten hilft ein wenig Sand oder Erde schon. Man darf nicht vergessen, dass so manche Oma ihre Erfahrungen im Krieg gesammelt hat. Heutige Hygienestandarts waren da nicht durchsetzbar.

Genauso das mit der Mittagshitze. Der Kachelmann, der das ja mit dem Wetter ganz gut kann, sagt: Gibt es nicht.

Das könnt ihr hier nachgucken: https://m.youtube.com/watch?v=d-HiNfWxlR0

Oma sagte: Geh nicht in der Mittagshitze raus. Weil es dann erstmal noch wärmer wird, und das hältst Du nicht so lange aus. 

Moment mal. Da sagte meine Oma ja gar nichts anderes, als der Kachelmann gesagt hat, außer dass es die Mittagshitze bei ihr gab, und bei ihm nicht.

Jetzt drehe ich noch mal eine Schleife zu meinem Physiklehrer. Der meinte mal, dass der menschliche Körper ein unvollkommenes Werkzeug wäre, um Temperatur zu messen. Zum Beispiel würde einem Wasser kälter vorkommen, wenn man vorher in der Sonne gelegen hat. Allerdings macht der Körper das in diesem Fall sehr gut. Hat man vorher in der Sonne gelegen, schafft der Kreislauf es nicht, sich so schnell anzupassen, und warnt vor dem ins Wasser springen, indem er ein wäh ist zu kalt meldet. Der Körper ist so also unzuverlässig, wenn es um die Ermittlung absoluter Werte geht, aber prima, um die eigene Belastung anzuzeigen, oder gering zu halten.

Zurück zur Mittagshitze. An heißen Tagen im Sommer fühlt es sich für eher kälteliebende Menschen, wie mich, Vormittags noch ganz ok an. Gegen Mittag kommt dann so ein Schwall warmer Luft, der die Grenze zum "zu Warm" markiert. Danach wird es nur noch schlimmer. Wenn ich also in der Mittagshitze rausgehe, und wie zu Omas Zeiten eben nicht in 20 Minuten im nächsten klimatisierten Raum bin, kommt zu der ansteigenden Hitze noch die Dauer hinzu, in der ich den Temperaturen ausgesetzt bin. Geh ich am späten Nachmittag, ist die Zeit, bis es wieder angenehm wird, kürzer.

Also frage ich mich, ob man früher mit Mittagshitze was anderes gemeint hat, und wieder die Hintergründe dazu vergaß.

Johlende Massen, die die Feuerwehr bei den Löscharbeiten einer geplanten Flüchtlingsunterkunft bepöbeln.

Polizei, die es an einem anderen Ort für völlig normal hält, Flüchtlinge als Störfaktor zu betrachten, die auch dann noch unterwürfig-dankbaren Gehorsam zeigen sollen, wenn sie von einer unkontrollierbaren, wütenden Menschenmenge akut bedroht wird (ein 15Jähriger hatte in Clausnitz den brüllenden Deppen den Stinkefinger gezeigt, nachdem sie es bereits geschafft haben, weitere Insassen des ankommenden Flüchtlingsheimes so einzuschüchtern, dass sie den Bus nicht verlassen wollten. Eben diese Flüchtlinge wurden mal eben von der örtlichen Polizei "mit harter Hand" aus dem Bus geholt. Nach Berichten im Klammergriff, oder mit auf dem Rücken gedrehtem Arm.

Nur mal zur Erinnerung: Das sind Menschen, die wohl schon Schlimmstes erlebt haben. 

Und überall tummeln sich die Apologeten: Aber man muss die Ängste der Bürger doch verstehen...

Wenn aber die Argumente und Schlussfolgerungen falsch sind?

Durch ständige Wiederholungen wird das aber auch nicht wahrer. Die Gesellschaft muss keine irrationalen Lösungen für irrationale Ängste finden.

Wieviel Geld der öffentlichen Hand, also der Steuerzahler (EURE KOHLE, VERDAMMT), da gerade durch den Kamin geht, ist unvorstellbar und inakzeptabel. Turnhallen, die in Rauch aufgehen, weil "unsere Kinder" wegen der Flüchtlinge dort vorübergehend keinen Sport machen können... Btw. wo fängt die Grenze zwischen unsere und eure an?

Ich zweifele langsam an dem Verstand einiger Leute, und dem einiger Politiker. Aber das hilft mir auch nicht weiter. So bleibe ich im Moment ein etwas ratloser, besorgter Büger. Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit meiner Mitmenschen, um die Politik, die mit ihrem Vorgehen in fremden Ländern für noch mehr Flüchtlinge sorgt; während sie die hier ankommenden dafür in die Haftung nimmt. Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit von Menschen, die Kollateralschaden der ansteigenden Gewalt werden.

Und ich mache mir Sorgen, irgendwann nicht genug dagegen getan zu haben.

  

1 Comment

Nach dem letzten frustrierten Eintrag über frustrierte Menschen, fiel mir nicht so wirklich ein, was mich so stört.

Es ist diese Unzufriedenheit, die leise brodelnd zu Tage tritt, oder unverhohlen in Aggressionen oder Resignation verpackt geäußert wird.

Ich glaube, ein Teil davon macht diese unglaubliche Anhäufung von Junk aus. Optimierung um der Menge willen. Das ist ein Teil des heutigen Wirtschaftsgedankens. Der Überfluss ist ein Überfluss der Menge, nicht der Qualität. Und der Verlust eben dieser, ist, was leise quält, und nicht offensichtlich ist.

Gerade bekam ich diesen Link über komprimierte Musik: MP3 maximal komprimiert stresst mehr als HiFi

In der Zusammenfassung tl;dr: Stark komprimierte Musik stresst das Gehirn, weil es komplexe Klangwelten gewohnt ist, und versucht wie das Auge in absoluter Dunkelheit Muster bildet, die fehlenden Informationen zu ergänzen.

Ich hatte mir vor einigen Tagen einen Hifi-Musikplayer (Fiio X1) gekauft, der unkomprimierte Formate abspielen kann, zusammen mit einem guten Kopfhörer (AKG 240 Studio). Ich stelle seitdem fest, dass ich die Musik wieder mehr genießen kann. Die schnell gerippten MP3s sind leider ''unter die Räder'' gekommen, aber den Rest höre ich konzentrierter. Ich habe wieder weniger Musik, entdecke aber immer wieder neue Klänge darin. Dafür habe ich auch in Kauf genommen, mich ein paar Abende hinzusetzen, CDs neu zu rippen. Im Gebraucht-CD-Laden in Dortmund zu stöbern, und mir einige Musik, die ich bislang nur als MP3 besaß, neu zu besorgen.

Der Aufwand war es einfach wert.

Und warum soll man sich im Job jeden Tag hinsetzen, und überlegen, wie man seine Arbeit verschlechtern kann, um bessere Kennzahlen zu erreichen? Die ständige Optimierung führt in vielen Betrieben dazu, dass die Mitarbeiter lernen, gerade mal so schlecht zu arbeiten, dass die Fehler ein kritisches Maß nicht überschreiten, anstatt besser zu werden. Anstatt die Qualität zu steigern. Die Option weniger, aber dafür Besseres zu verkaufen, schlägt heute nur noch in wenigen Betrieben durch. Und das frustriert.

Ich will kein Leben in dem ich immer mehr Geld habe, um mir immer schlechtere Produkte zu kaufen, die von Menschen produziert werden, die immer schlechtere Produkte bauen, um immer mehr Geld dafür zu bekommen.

Vielleicht sind wir deshalb so unzufrieden. Weil unser Unterbewusstsein längst verstanden hat, was Wert ist. Auch materieller Wert. Was eine Jacke in teurem Wollstoff an Haptik, Wärme und Dauerhaftigkeit ausstrahlt, oder das Auto, oder das Fahrrad das gut verarbeitet den Weg zur Arbeit begleitet. Was diese Ruhe und dieser Luxus für einen bedeutet, Dinge nutzen zu können, die zwar einmal das Konto erleichtern, aber einem den Druck nehmen mit dem Kauf schon nach dem Ersatz zu jagen.

Wir sollten darauf achten, dass alltäglicher Luxus erschwinglich bleibt. Denn sonst können wir uns nur mit immer aggressiveren Methoden dazu bringen, gegenseitig unsere Produkte zu kaufen, mit denen wir alle - Jeder - ein wenig unglücklicher wird. Das wäre gemein.