Aus dem Leben eines Fahrradverweigerers

Als Kind hatte ich eines. Wir waren nie Freunde. Der erste Bodenkontakt ließ die Stimmung weiter sinken.

Dann hatte ich ein großes Fahrrad. Bin mit der Familie zum Volksradfahren (das war total in).

Dann musste ich mir auf einer Klassenfahrt eines ausleihen. Das Ding war in einem so schlechten Zustand, dass ständig Gänge heraussprangen. Damit dann den Berg so schnell herunter zu fahren, war ein Fehler. Ein Fehler, dass ich auch den klapprigen Bremsen nicht vertrauen wollte.

Jedenfalls krachte plötzlich etwas gewaltig. Das nächste was ich bemerkte, waren explodierende, bunte Lichter vor meinem inneren Auge, als ich zu Boden ging. Das plötzlich mitdrehende Pedal hatte meine Oberfußknochen mit kurzem Schlag gebrochen. Der Autofahrer konnte noch ausweichen, und ich rappelte mich wieder auf.

Dem folgte eine extrem lange Zeit, in der ich kein Fahrrad wollte.

Zwischendurch kaufte mich mir mal wieder eines. Aber ein ganz billiges. Es war schwer, es war häßlich, unhandlich. Ich kam mit dem Fuß nicht auf die Erde und fühlte mich darauf unsicher und unwohl.

Für den Smart war es auch eher unpraktikabel. Die Bahn nimmt Fahrräder nur außerhalb der Stoßzeiten mit.

"Kauf Dir doch ein Brompton". OK, sieht geil aus. Aber der Preis- bwahahaha.

Zwischendurch liebäugelte ich mit einem Trike - ein 3rädriges Liegerrad von Hase. Noch viel teuerer. Keine ernstzunehmende Transportmöglichkeit. Für gelegentliche, weite Strecken. Hm.

So bin ich das Brompton doch mal probegefahren. Erstaunlich Fahrstabil für die kleinen Räder. Die Federung ist sehr gut.

Das bestellte Rad kam schneller als ich dachte (und als angekündigt).

Für die sonstigen Veranstaltungen zu spät dran, zog ich also noch kurz vor Toresschluss in die Dortmunder Innenstadt und konnte mein Rädchen übernehmen.

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Der Dauerregen hatte ein Einsehen, und machte eine Pause. Also schnell das Rad auseinander geklappt. Es war auch gar nicht so schwer, sich den Klappmechanismus zu merken. Und das Rad stand fertig vor mir.

Also mal eben durch das Viertel. So 4 km hatte ich mir vorgenommen. Die superleichte Regenjacke hatte ich dann doch mitgenommen. Hält zwar kaum was ab, aber für die paar Minuten.

Ohne also wirklich auf die Straßennamen zu achten, trampelte ich mich dann also durch die kleinen Seitenstraßen, die mit dem Auto mißachtet werden.

Und irgendwie kannte ich die Gegend dann doch nicht mehr so gut. Mal kurz das Smartphone aus der wasserdichten Tasche befreit, sagte mir Google Maps, dass ich doch mal locker 8 km wieder heim durfte. Oups.

OK, für den Rest der Strecke wies mich eine vorwurfsvolle Computerstimme darauf hin, wo ich denn bitte lang zu fahren hatte. Google Maps kann man mittlerweile auch auf Fahrrad einstellen. Funktioniert. Hallo NSA, BND und wer sonst noch.

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Dann meinte der Regen "OK, so hab ich das jetzt nicht gedacht" und legte wieder los, das Aufgeschobene mal eben hinterher werfend.

Grummel also noch nach ein paar Minuten nass bis auf die Knochen.

Absteigen - Schuh zumachen. Das war keine gute Idee. Danach war der Sattel auch noch ein wenig feucht.

Und dann ging es ab auf den Feldweg. Wie gesagt - die Fahrradeinstellung fürs Navi funktionierte, und wies auch für Autos ungeeignete Wege aus. Etwas skeptisch guckte ich noch mal nach doch ein wenig mehr befestigten Wegen und war etwas besorgt, mein neues Rad gleich so durch den Schlamm zu ziehen. Half nix. Kommt Zeit, kommt Putzlappen.

Mit den kleinen Räder kann man auch recht gut kleinen Schlaglöchern und großen Weinbergschnecken ausweichen. Ich lobte mich für den Gedanken, Schutzbleche bestellt zu haben.

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Und nun ist das Rad trocken geputzt und ich freue mich auf die nächste Tour.

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