Ba-ba-Banküberfall

So nach über 20 Jahren darf ich das glaube ich mal erzählen.

Als ich damals meine Banklehre fertig hatte, arbeitete ich ein Jahr lang als "Springer". Ich arbeitete in den Zweigstellen, in denen gerade Not am Mann war. Mal an einem Platz, um einen kranken Kollegen zu ersetzen, mal mit ein paar Springern, um eine Zweigstelle nach einem Überfall wieder zu eröffnen.

Unterschätzt das nicht. Wenn euch mal eine Waffe von einem Typen unter die Nase gehalten wurde, der vor Nervosität fast durchdreht, und offenbar noch nie in seinem Leben eine Schusswaffe bedient hat, sind die eigenen Nerven erst mal einige Tage lang Müsli.

Und vergesst die Bilder von dem professionellen Bankraub, der von ruhigen, besonnenen Tätern durchgeführt wird, die das Geld erbeuten und dann nach spektakulärer Flucht entkommen.

So läuft das nicht.

Bankraub hat die höchste Aufklärungsquote bei den Verbrechen. Damals waren das über 70 % direkt nach der Tat und über 90 % mehrere Jahre nach der Tat.

Die erbeuteten Summen reichen oft nicht lang. Die Aufmerksamkeit und die Alarmsysteme werden immer weiter ausgereift.

Meist sind das also Menschen, denen spontan nichts anderes mehr einfällt, um an Geld zu kommen; die keine Vorstellungen davon haben, was reich ist, und die sich für diese Aktion erstmal eine Waffe anschaffen. Und die im Grunde genommen von Tuten und Blasen keine Ahnung haben.

Dann kommt also ein Typ in die Filiale, der schlecht geschlafen hat und mit jeder anderen Reaktion als der, die er in Gedanken durchgespielt hat, überfordert ist. Außerdem überfordern die menschlichen Reaktionen. Plötzlich stehen da Angestellte gegenüber, die echte Angst haben. Und Menschen mit Angst verhalten sich unberechenbar.

So ein Überfall hat also in der Filiale, in die ich als Springer gerufen wurde, gerade stattgefunden.

Ich wurde am Schalter eingesetzt, die Kollegin in der Kasse wollte unbedingt weiter arbeiten. Sie stand kurz vor der Pension und meinte, das zu schaffen, obwohl ihr die Waffe bei dem Überfall vorgehalten wurde.

Später am Nachmittag (herbstliches Schietwetter) - es war relativ leer -  kam ein Kunde schnellen Schrittes direkt auf die Kasse zu. Den Kragen der Jacke hoch ins Gesicht geschlagen und die Kappe tief in die Stirn gezogen.

Ich sah mich, da neu in der Filiale, nervös nach meinem Kollegen um, der aber schon signalisierte, alarmbereit zu sein. Wenig später kam auch OK, den kenne ich. Alles klar. Wieder Kopf runter zu meinen zu sortierenden Belegen.

Und dann gellte es durch den Raum "WENN … SIE … DAS … NOCHMAL…"

Kennt ihr noch diese wirklich alten Bankkassen. Mit dem Panzerglas und dem kleinen Loch darin zum Sprechen und unten dem Schlitz, das Geld hindurch zu reichen?

So eine war das noch.

Und der Kunde hing jetzt - den überwiegenden Teil des Kragens von der Kassiererin durch das Sprachloch gezogen - mit dem Gesicht an eben dieser Scheibe.

Oups. Während ich mit meinem Kollegen auf den Kunden zu rannten, ging die zweite Kassiererin, die grad aus der Pause zurück gekommen war, von hinten in die Kasse, um sich um die Kollegin zu kümmern. Und wir zogen die beiden erstmal auseinander. Unsere Kassiererin weinte hemmungslos. Der Kunde stammelte "Aber das war ein Scherz. Das war doch nur ein Scherz."

Ich bugsierte ihn mit dem Kollegen auf einen Stuhl im Nebenzimmer "Ehm. Was auch immer Sie da gesagt haben, wir wurden heute morgen überfallen". "Ach du je". Ich holte dem Kunden erstmal einen Beruhigungskaffee, und mein Kollege kümmerte sich weiter um den Herrn. Da hatte er mit seinem hochgeklappten Kragen einfach seine Unterlagen hingelegt, da er die Kassiererin gut kannte, und meinte, dass sie ihn schon wahrgenommen hätte, murmelte er "das ist ein Überfall". Ach so. Das ist, wenn man abgelenkt war, und das Gesicht nicht sofort erkennen konnte, natürlich mal gekonnt der so richtig falsche Text.

Aber das macht er wohl nie wieder.

 

 

 

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