Gegen die Resignation

4 Tage auf dem 30C3 in Hamburg und nun auf dem Bundesparteitag der Piratenpartei in Bochum. Wie oft habe ich in den letzten Tagen gehört: die Piraten sind am Ende. Der Kampf gegen Überwachung und für Demokratie ist verloren.

Es ist ja so einfach. Es ist einfach, sich in seine 4 Wände zurückzuziehen, und anzunehmen: Mir passiert schon nichts.

Wobei die eigenen vier Wände schon nicht mehr als Rückzugsgebiet gelten. Was früher in einem Tagebuch sicher war, liegt heute auf dem Rechner, und kann möglicherweise durch Backdoors abgefragt werden. Mit wem ich mich unterhalte, mit wem ich rede wird aufgezeichnet. Hier ziehen Menschen eventuell Schlüsse heraus. Dazu kommt eine umfangreiche medizinische Datenbank, Daten über meine Kontakte auf Social Media wie Facebook, Twitter. Daten, die über meine Gesundheit angeblich sicher, zentral gelagert werden.

Überhaupt: wie sicher sind Daten. Von Kreditkartendaten bis Mitgliedschaft in Vereinen, Konten von Spielekonsolen und noch so viel mehr wurden in den letzten Wochen und Jahren gehackt oder von Menschen, die regulär Zugriff darauf hatten fahrlässig veruntreut. Ich habe so oft "Freunde" gehabt, die mir mal eben vertrauliche Daten anderer Personen zuspielen wollten. Auch wenn ich in dem Moment meist eher wenig dazu kommentiert habe: nein, das hat weder mein Vertrauen noch meine Sympathie zu euch gesteigert.

Andererseits haben derartige Erlebnisse auch nicht mein Vertrauen in Zentrale Datensammlungen, geschweige denn in Geheimdienste  gesteigert. Ein Edward Snowden hatte noch durchaus noble Motive: nämlich der Aufklärung, und machte uns die beruflich gesammelten Daten zugänglich. Weil diese und alle betreffen und belasten.

Aber was ist mit all denen, die ähnliche Datenzugriffe haben, aber nicht allgemein akzeptierte Ziele wie Aufklärung, Selbstbestimmung, Demokratie im Sinn haben? Was ist mit Menschen, die diese Daten weiterverkaufen könnten. Dazu nutzen könnten, ihre gesellschaftliche Position, ihr Konto zu verbessern.

Ich möchte das nicht. Ich möchte demokratisch darüber entscheiden, in was für einer Welt ich lebe. Mit welchen Menschen ich rede. Welche Webseiten ich anklicke, auch wenn ich mache davon nicht mit Begeisterung, sondern mit Abscheu lese. Auch das verstehen ein paar Überwacher nicht, die aus den Klicks im Internet Persönlichkeitsprofile erstellen.

Wir haben die Chance, Bildung für eine Vielzahl für Menschen mit minimalem Aufwand zur Verfügung zu stellen. Wir haben die Möglichkeit, uns eine Welt zu schaffen, in der ich mich nicht in Ghettos einschließen muss. In der von mir gewählte Interessenvetreter nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden, und entscheiden können, ohne selbst eklatante Nachteile zu erfahren, wenn sie sich nicht dem Lobbyistendruck nachgeben oder sich nicht an parlamentarische Zwänge halten.

Sind die Piraten deshalb tot? Nein, es gibt viel zu lernen, viel über das Gelernte zu dokumenterien, damit wir die Ergebnisse zugänglich machen.

Politik ist ein harter Job. Ein Job in dem es vor Anfeindungen so wimmelt. Nicht nur von außen, sondern auch in den eigenen Reihen gibt es immer wieder Ausprobieren, lernen, neugierig bleiben und weiter machen, wenn das mal mit dem Laufen, Klettern und dabei intelligent aussehen in der Vielzahl der Themen nicht klappt.

 

 

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2 thoughts on “Gegen die Resignation

  1. Du hast recht. Weitermachn und durchhalten ist wichtig. Bei der Oberflächlichkeit der politischen Diskussion, die Tendenz zu persönlichen Angriffen zwischen Parteien und innerhalb von Parteien frage ich mich, ob das so sein muss.

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  2. Bugspriet

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    Nein, es muss nicht sein, ist aber menschlich.
    Die Anfeindungen und die künstliche Empörung werden wir nie ausmerzen können. Aber lernen, zielgerichtet und zusammen zu arbeiten. Vertrauen in die eigenen Leistungen und Bewertung Anderer ist eine Erfahrung, die sich gegenseitig bestärkt, sobald stattgefunden. Ich bleibe optimistisch.

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