Über was reden wir eigentlich?

Und wieder geht die Diskussion fast in eine hysterische Richtung. Das Burkaverbot ist in aller Munde. Und dabei wissen die meisten nicht mal genau, was eine Burka genau ist.

Populisten bedienen die Angst. Die Angst, nicht jedem... Sorry, nicht jeder ins Gesicht sehen zu können. Die Angst vor der Unterdrückung der Frau, es sei denn es sind die eigenen. Die Angst vor der Überfremdung. Die Angst vor... Ja ist ja eigentlich auch schon egal.

Eine Frau sagte in dieser Woche in einem Radiointerview: wo bleiben unsere Werte, wenn eine Frau ihre Kurven nicht mehr zur Schau stellen darf.

Ah ja. Unsere Frauen. Wessen jetzt genau? Geht es darum, dass Besitzansprüche festgelegt werden sollen, oder um wirkliche Freiheit von Frauen in unserer Gesellschaft? Was ist mit den Frauen, die sich ihrer Figur schämen (ob dies auch nur ein gesellschaftliches Phänomen ist, dass ihre freie Entfaltung einschränkt, sei dahingestellt). Und zur Schau stellen? Sagt auch wieder viel mehr, als wohl beabsichtigt war.

Dabei bin ich gar kein Freund der Verschleierung. Weder Kopftuch noch Vollverschleierung mit uniformartigem, bodenlangen Mantel und Gesichtsschleier. Weder bei Muslimas noch bei Nonnen.

Was mich stört, ist die Art, in der die Debatte geführt wird. Wenn es hochkommt werden Muslime mit stark religiöser Prägung befragt. Und dass nicht jede Muslima zur Verschleierung von ihrem Ehemann gezwungen wird, scheint in manchen Köpfen eine solche Unvorstellbarkeit zu sein, dass sie gar nicht ausgesprochen werden darf. Dass andererseits Religionen die Religion, und nicht den Menschen in den Vordergrund stellen kann, ist ein Aspekt, der so gut wie nie in den Diskussionen auftritt.

Und die Rede, dass ein Verschleierungs- ehm sorry Burkaverbot (alle, die davon betroffen sind, sollen natürlich automatisch verstehen, dass sonstige Arten von Verschleirung damit je nach Gusto des Betrachters automatisch mitbetroffen sind; und Kopftücher damit zumindest als verwerflich gebrandmarkt werden) dem Schutz vor Terror dient, impliziert einfach nur, dass der Anblick von manchen schon an sich als Terror empfunden wird.

Die Argumente, die mir in den Social Media Kanälen begegneten waren dann "im Stadtvierte XY habe ich schon Frauen mit Burka gesehen." Als ob mich diese Aussage allein schon schockieren soll. Als ob es gesellschaftlicher Konsens wäre, das ganz schlimm zu finden.

Ich wünsche mir, dass die Diskussion geführt wird, aber gelassen, ohne hysterische Überreaktion. Ohne Gesetze, die dann im nächsten minus 20 Grad Celsius Winter den Schal vor dem Mund gleich mit verbieten, oder den Integralhelm beim Motoradfahren. In Diskussion mit den Frauen, die sich aus welchen Gründen auch immer derartigen religiösen Vorschriften hingeben.

Ist das zu viel verlangt?

 

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-08/verschleierung-islam-aegypten-niqab-naher-osten-schleier-scharia

https://www.washingtonpost.com/news/worldviews/wp/2016/08/19/germanys-potential-burqa-ban-has-a-problem-where-are-the-burqas/

 

 

 

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