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Zwangsverheiratet. Ihr kennt das.

Eh, was?

Ich sage nur: Abenteuer Kassenschlange. Da gibt es immer wieder diesen Herrn, der Probleme hat. Sei es, dass der Rabattcoupon sich als "schon eingelöst" meldet; sei es dass er den Prospekt ganz anders verstanden hat, und das nun die Kassierer-Filialleiterhirarchie hocheskalieren will. Oder die Kasse streikt, oder bei der Fastfoodkette hat ein Produkt plötzlich einen Fertigungsengpass. Egal.

Das Drama bahnt sich an, wenn ich dahinter stehe.

Phase 1: Hoffnung

Das Problem könnte sich bald lösen. Ich habe es nicht eilig. Also sehe ich die anderen Schlangen immer weiter zusammenschmelzen.

Phase 2: Aufgabe

Natürlich war das optimistisch, und natürlich funktionierte der Plan aus Phase 1 nicht. Jetzt kommt aber der Moment, an dem sich die Geduld als fatale Entscheidung entpuppt hat.

Phase 3: Fremdeinwirkung

Denn das Kassenpersonal hat mittlerweile das Problem erkannt und fängt an, die Schlange hinter mir abzuarbeiten.

Phase 4: Wait, what?

Ja, genau, die Schlange hinter mir. Gezielt wird der Herr, die Frau, das Päärchen direkt hinter mir angesprochen: Sie können auch hier rüber kommen. Die sind dann in der Regel auch erleichtert, und folgen der Aufforderung.

Phase 5: Erwachen

Ich lasse die zunächst Aufgerufenen vor, und versuche mich dann, dahinter einzureihen, oder mich bemerkbar zu machen, damit ich zumindest DANN an die Reihe komme.

Phase 6: Die Gegenwehr erwacht

Im Besten Fall werde ich nun passiv-agressiv ignoriert. Die ehemalige "Schlange hinter mir" tut sich zu einer Gemeinschaft zusammen, und versucht, mich nicht dazwischen kommen zu lassen. Der Kassierer bedient mittlerweile Menschen über meinen Kopf hinweg.

Phase 7: Aufrüstung

Ich werde lauter, mache mich bemerkbar. Ich verstehe noch nicht vollständig, welch Gewitter sich da gerade um mich herum zusammengebraut hat, und reagiere mit Versuchen, auf mich aufmerksam zu machen. Auch meinen Einkauf ins Warme zu bringen, oder endlich mein Junk-Essen zu bekommen. Die Menschen hinter mir werden lauter aufgerufen, vorzutreten, und drängeln deutlich agressiver.

Phase 8: Vollendete Tatsachen

Der Kassierer faucht: "Ihr Mann wird ja gleich bedient."

Phase 9: Verstehen

Mein ... was? Ich bin alleine hier. Wen zum Henker ... ach so! Leise:"das ist nicht mein Mann!"

Phase 10: Die Realität hat sich geändert

Zumindest für alle anderen. Die Zusammenhänge sind wieder logisch. Das störende Element wurde in die Schranken gewiesen. Für alle anderen bin ich die hysterische Tussi, die zusätzlich zu der Aufregung, die ihr Kerl anstrebt auch noch ihren eigenen Kriegsschauplatz eröffnet. Meine Versuche, die Verbindung zu diesem Typen zu leugnen wirken albern und schweißen meine Gegner nur noch mehr gegen mich zusammen.

Für mich bin ich einfach nur eine Frau, die nicht mal ansatweise was mit dem Unbekannten zu tun haben will, sondern einfach nur bezahlen oder ein schlechtes, heißes, fettiges, übersalzenes Essen aus Massentierhaltung haben will.

Ende: die Phantasie der Anderen

Wenn ich mir überlege, mit wie vielen Männern ich schon in derartigen Situationen verheiratet wurde, frage ich mich ob virtuelle Polygamie auch strafbar ist. Schließlich darf die virtuelle Welt kein rechtsfreier Raum sein.

Was ist die Cloud? von ddeimeke

Was man von Cloud-Dienstleistern erwarten sollte, und was nicht.

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Die Süddeutsche Zeitung stellt einen Film über alternative Schulsysteme vor. Ein Gedankenanstoß, dass rein auf Bedürfnisse der Wirtschaft abgestimmte Bildung kein Qualitätsmerkmal ist: Artikel der SZ

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Netzpolitik.org schreibt über Sicherheitsesotherik. Warum die Vorratsdatenspeicherung für Wirtschaft sowie Menschen eher schädlich ist:

https://netzpolitik.org/2017/vorratsdatenspeicherung-ab-juli-schlecht-fuer-grundrechte-und-provider/

Irgendetwas nur so kompliziert wie nötig zu gestalten, ist ein sinnvoller Rat.

Nun gibt es dafür verschiedene Anwendungsbereiche, die unterschiedliche Lösungen erfordern. Will ein Wissenschaftler der Allgemeinheit seine Arbeit erklären, reicht das in durchaus einfacher Sprache. Da genügt es, wenn er von "sehr kleinen Teilchen" spricht. Ob es nun ein Neutron, ein Atomkern oder ein winziger Partikel ist, spielt für den Alltagsmenschen keine Rolle.

Wohl aber, wenn er seine Arbeit für Kollegen nachvollziehbar machen will. Da ist es plötzlich enorm wichtig.

Je technischer meine Welt wird, desto mehr stelle ich fest, dass ich immer wieder geradezu in der einfachsten Variante gefangen bin. Der kleinste gemeinsame Nenner ist einfach und angenehm. Er bringt mich aber nicht weiter.

Und genau das stelle ich mittlerweile auch im politischen System fest. CDU, SPD, Grüne, Piraten, Linke usw.  haben ihre Themen. Sie haben ihr Klientel, das sich selten mit Detailfragen außerhalb der großen, allgemeinen Themen beschäftigt.

Aktuell erleben wir das wieder mit der Schadsoftware #Wannacry. Warum hat die Politik (weltweit) hier nicht mehr darauf gedrängt, dass vor allem Unternehmen des öffentlichen Bereiches, wie Krankenhäuser oder Unternehmen des öffentlichen Transportwesens (hallo, Deutsche Bahn) ihre Systeme aktuell halten, Geheimdienste nicht mangels Ideenreichtums die Öffentlichkeit mit zurückgehaltenen Sicherheitspatches gefährden.

Warum sollten sie? Die Parole "Der Markt wird es schon regeln" funktioniert in vielen Bereichen. Keep it simple. Ja läuft. Wirtschaftlich gesehen, ist ein Prozess in Ordnung, wenn er in einem Großteil der Fälle läuft. Nur... ja irgendwie fühlt sich das nun schon falsch an.

Zum Einen, weil dieser Fall eine Anomalie darstellt. Zum Anderen weil Pauschalisierungen nie die Extreme darstellen. Der mögliche Schaden eines Versäumnisses ist hier riesengroß. Das ist so, wie ein Kühlsystem, das in den meisten Unternehmen eine Charge an verdorbener Ware erzeugen kann, sofern es mal komplett ausfällt (was zu verkraften ist, und im Zweifelsfall billiger ist, als ein, so es möglich ist, ausfallsicheres Kühlsystem. Und im Atomkraftwerk einen GAU verursachen kann, der im Zweifelsfall tausende Menschen tötet, und tausende Quadratkilometer unbewohnbar macht.

Wir haben hier also Parteien, die ein gewisses Klientel, eine bestimmte Aufgabenstellung, abdecken. Die aber nach ihrem Verhalten in den wesentlichen gesellschaftsorganisatorischen Fragen gemessen werden, dass die Randbereiche einfach wegfallen. Also in der Politik. In der Realität können sie durchaus noch drängende Fragen aufwerfen.

Wir haben - aus Selbstschutz der Großparteien - in den meisten Parlamenten eine Prozentklausel, die verhindern soll, dass die Großen mit zu viel Randthemen überfrachtet werden.

Wir können uns da nichts vormachen. Es IST kompliziert, sich in alle Themen einzuarbeiten. Es ist vollkommen OK, wenn nicht Jeder versteht und/oder weiß, wie das Internet funktioniert; dass Linux ein Betriebssystem (was? - also sowas wie Windows, nur in anders) ist. Ob das Kühlmittel meiner Kfz-Klimaanlage nun umweltschädlich ist oder nicht... Aber wir brauchen die Themen in der Politik, und wir brauchen die Möglichkeit, dass diese Themen aufgebracht werden. Sonst wird #wannacry, der alte Windows-XP-Systeme verschlüsselt, und ein Lösegeld für die eigenen Daten verlangt, nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

Dass die PIRATEN damals die Debatte darüber angeschubst haben, war gut. Dass der Lösungsansatz so unfertig war, dass er kein stabiles System aufbauen konnte, weniger.

Aber auch wenn die Ergebnisse der aktuellen Wahl in NRW eine andere Tendenz vorgeben, dürfen wir (also wir alle, wirklich ALLE) nicht den Kopf in den Sand stecken, und warten, bis noch mehr Menschen resignieren; sich nicht mehr vertreten fühlen; Dinge schief laufen.

Manchmal sind Dinge eben komplizierter, als man denkt. Manchmal braucht es Jahre, bis jemand auf die richtige Idee kommt, die Bruchstücke einzelner Ansätze zu einem Ganzen zusammenzufügen.

Deshalb wird uns auch nie ein Heilsbringer die Lösung aller Lösungen aufzeigen, wenn doch die wahre Leistung darin besteht, die einzelnen Stücke aufzusammeln, zu strukturieren, verfügbar zu machen; damit ein Visionär sie zu etwas Neuem aufbauen kann.

Wie bekommen wir also Menschen dazu, ihre Scheuklappen abzulegen, und den Blickwinkel wieder zu öffnen?

 

 

So, heute wurde es wieder ein wenig politisch. Und zwar war ich mal als Gast mit dem ADFC unterwegs.

Der ADFC hat - eine Woche vor der Landtagswahl in NRW - eine politische Sternfahrt nach und in Düsseldorf auf die Beine gestellt.

Es ging darum, die Bedürfnisse für Radfahrer im Straßenverkehr zu thematisieren. Die Sternfahrt war als Demo angemeldet, und so wurden einige Hauptverkehrsadern heute zur autofreien Radfahrstraße.

In Anerkennung meines desolaten Fitnesszustandes probte ich die Anreise ab Dortmund mit dem Regionalexpress, was sich schon ein wenig als Abenteuer erwies. Letztes Wochenende entgleiste in Dortmund ein ICE und beschädigte nennenswerte Teile des Gleises. Wozu die Bahn nichts kann. Was zu einigem Chaos am Bahnhof führte (wozu die Bahn nichts kann), und es nicht ganz so einfach war, herauszufinden, an welchem Gleis nun ein passender Zug fuhr (wozu die Bahn doch was kann). (Einige machten sich tatsächlich mit dem Rad auf den Weg, und fuhren ab Dortmund, Oberhausen, Krefeld, Bergisch Gladbach u. v. m. mit dem Rad).

In Kaiserwerth stieg ich entspannt aus, und gesellte mich zur immer größer werdenden Schaar an Radfahrern, die nach Eintreffen der einzelnen Gruppen langsam Richtung Landtag losrollte. Die Tour ging über angenehm flaches Gelände, so dass ich auch mit dem Faltrad gut und enspannt Schritt halten konnte.

Am Landtag gab es eine kurze, politische Diskussion mit eingen MdLs. Und kurze Zeit später noch zu der großen Rundtour mit allen Gruppen durch Düsseldorf (inklusive der Rheinbrücken und der Rheinunterführung).

Zurück habe ich mir dann ab dem Hauptbahnhof den ICE gegönnt...

Das Thema Fahrrad kam sehr gut bei den Menschen, an denen wir vorbeizogen an. Unmut gab es wenig (Fußgänger: muss das sein? - Ja, das ist 'ne Demo; Autofahrer: wie kann man hier nur so einen Stau... -hey, das schafft ihr sonst auch prima OHNE Radfahrer).

Die meisten freuten sich allein über die Forderung, die Umgebung für Radfahrer zu verbessern. Nur, warum passiert da so wenig?

  1. Es kostet Geld. Davon ist nicht unbegrenzt was da. - Stimmt. Auf der anderen Seite ist der tägliche Arbeitsweg mit dem Rad gut für die Gesundheit (und wenn es nur die Teilstrecke bis zum Zug ist). Infrastruktur, egal ob für Fußgänger, Autofahrer, Bahn oder Rad kostet IMMER Geld. Der Punkt ist, mit dem Geld einen Gegenwert zu erschaffen, der möglichst vielen Menschen zu Gute kommt. Und da sind Radfahrer immerhin eine große Gruppe, die sich mit den anderen sowohl in Nutzungsverhalten als auch in Interessenlage mit den anderen überschneiden. Arbeitgebern kommt es zu Gute, wenn die Mitarbeiter kostengünstig und sicher zur Arbeit kommen können. Den Anwohnern einer Stadt oder Hauptstraße kommt es zu Gute, wenn weniger Abgase und Motorenlärm zur Lebensqualität beitragen. Fußgängern profitieren, wenn Radwege nicht so angelegt sind, dass sie Angst haben müssen, vom nächsten Rad umgewemmst zu werden.
  2. Das Henne-Ei-Problem: Was war zuerst da? Der Bedarf an Fahrradinfrastruktur oder das Angebot? Eine lange Zeit mied ich das Radfahren. Nach einem Unfall nicht wieder aufgestiegen, lebte ich im Stadtzentrum mitten in einem Ballungsgebiet. Da war radeln zwischen den Autos schon mutig. Und die Radwege waren meist zugeparkt oder vollkommen marode. Erst als ich in einer radfreundlicheren Umgebung wohnte, kam wieder ein 2Rad in mein Haus. Da aber heute viele so an den Gedanken gewöhnt sind, das Rad nur noch als Sportgerät zu benutzen, und nicht mehr als Fortbewegungsmittel, liegt auch der Gedanke an eine Investition fern.
  3. Der Blick auf das große Ganze: Was ist 'verbessern'? Da gibt es vieles, was zusammenhängt. Zusammenhängende Routen, die per Rad angenehm und gefahrenarm genutzt werden, und nicht mal eben 5 km neben der zu engen Durchgangsstraße herführen sind ein Thema. Die Möglichkeit, am Zielort auch mal ein Rad sicher abzuschließen oder bewacht unterzustellen auch eines. Viele gewünschte Touren scheitern an der Möglichkeit, das Rad im Zug oder der Straßenbahn zu transportieren (ok, da bin ICH mit dem Faltrad außen vor). Digitalisierung (mit dem Smartphone nachsehen, ob ich das Rad am gewünschten Bahnhof abstellen kann, wann der Zug fährt, ob Zugmitnahme möglich ist. Die Strecke am Zielort planen. Evtl. vor der Dienstreise checken, ob es am Zielbahnhof Mieträder gibt... Das ist alles noch viel zu unübersichtlich, und kann verbessert werden.
  4. Aber die Autofahrer: Ja, auch die sollten wir einplanen. Dabei Entwicklungen im Auge behalten, die das Miteinander verbessern, wenn man es richtig angeht (Carsharing, E-Autos, autonomes Fahren, Ruftaxen, Straßen, die so geplant sind, dass ich am Lenker des Automobiles zum Ziel komme, ohne dass mir ein Fahrrad mit Mensch vor den Kühlergrill springt, und ich, wenn ich auf das Rad wechsele, nicht selber stresserfüllt vor Abgasen und Mobilitätsblech flüchten muss. Wer immer nur das entweder oder sieht, wird blind für Lösungen, die alle im Auge behalten. Vielleicht MUSS ich als Autofahrer gar nicht bis vor die Tür fahren, wenn ich per Park&Ride bequem auf Bus und oder Mietrad umsteigen kann.
  5. Mit den Menschen reden: Heute hat der ADFC eine Menge an Aufmerksamkeit eingefordert. Hier sollte es aber nicht enden. Fragt die Menschen, wie sie sich ihr Dorf, ihre Innenstadt wünschen. Die Politik ist heute so sehr gewohnt, einfach den Bürgern etwas vorzusetzen, was dann bitteschön angenommen wird, dass das ganze Potential von Ideen und Wissen der Menschen brach liegt. Lasst die Menschen doch einfach mal mehr diskutieren und mitbestimmen. Dann freunden sie sich (mit den dann selbstverursachten Lösungen) besser an, und kommen vielleicht auf ganz neue Ideen.

 

Wählen scheint mir heutzutage ein wenig wie Opportunismus, den auch so manche Menschen in ihrem Leben, in ihrem Job probieren. Immer die Meinung derer annehmen, die auch hinterher das Sagen haben.

So funktioniert Politik aber nicht. Hier *trommelwirbel* haben wir tatsächlich die Wahl. Hier sind die Menschen in den Parlamenten quasi unsere Beauftragten (mit freiem Willen und der Entscheidung nach Gewissen). Aber das heißt, dass wir die Anforderungen stellen.

Die @atarifrosch schreibt es in ihrem Blog sehr treffend: https://blog.atari-frosch.de/2017/05/06/waehle-was-du-wirklich-willst/

So fahr, schönen Tag noch (ich geh jetzt wieder in nachfolgender Umgebung radeln).

 

So war mal das Zeitschriftenregal im Dortmunder Thalia übertitelt. Darunter säuberlich nach Auto- Handwerk- und Computerzeitschriften getrennt. Rechts gab es häkeln, Patchwork... beim Gärtnern war man sich wohl nicht sicher.

Während ich die Sortierung bewunderte, erspähte mich eine Verkäuferin:"Kann ich Ihnen helfen!?"

Mein kleines Sarkasmusgen übernahm das Sprachzentrum:"Gern, ich suche Technik für Frauen".

Der ratlos-hilflose Blick der Dame ließ mich die Antwort schon befürchten: "Nee, was einfaches haben wir da nicht."

Während sie noch überlegte, entfleuchte ich per militärischer Kehrtwende und kaufte die gesuchte Computerzeitschrift bei der klugerweise nur thematisch sortierten Konkurrenz.

Au weia.

 

Das Bild stammt von einer meiner Touren, die ich mit meinem Faltrad, der Straßenbahn, S-Bahn und zu Fuß zurücklegte. Außerdem fuhr ich schon einen Smart, mehrere 7,5tonner, von Sprinter bis Kipper mit Anhänger über Klein-LKW, stand am Ruder eines 63m langen Tallships und auf dem Beifahrersitz eines Schwerlasttransporters (nur auf dem Hof - ja, so ein dicker von Faun) gesessen. Als ich noch jung (theatralischer Augenaufschlag) war, besaß ich sogar ein Einrad.

Was mich an dieser Vielfalt fasziniert, ist die Tatsache, dass ich oft Situationen beschrieben bekam, die ich aber erst richtig nachvollziehen konnte, als ich dieses Gefährt tatsächlich selber fuhr. Und dass ich mich aktiv daran erinnern muss, sobald ich die Perspektive wechsele.

Vor Jahren musste ich mal einen LKW zur Autobahn lotsen. Das Navi des Fahrers suchte sich ausgerechnet unseren Hof aus, um sein Leben auszuhauchen. Geladen waren Mercedes Sprinter mit Hochdach und Aufdachklima. Schon mal einen kleineren LKW gefahren, wusste ich noch, wie ich geflucht hab, als ich erkannte, wieviele Wege plötzlich für mich zu "ist nicht" wurden. Und mit dem hoch beladenen Truck im Rückspiegel traktierte ich mein Hirn, wo ich noch eine Brücke/Unterführung hätte vergessen haben können. 

Ich weiß, wie groß der Tote Winkel beim LKW ist, so dass ich mit dem Rad nicht mehr sorglos rechts daran vorbei fahre. Nichtsdestotrotz habe ich auf dem Rad wieder eine ganz andere Sicht, und mein Hirn stellt sich auf andere Dinge ein, als wenn ich mit dem Auto fahre. 

Nun hatten viele nicht das Glück oder das Bedürfnis, so viel verschiedenes an Gefährten auszuprobieren. So ist es eine Mischung zwischen Unvermögen, mangelnder Erfahrung und Ignoranz, die Reaktionen oder Beweggründe der anderen Verkehrsteilnehmer abzuschätzen. 

Dass Radfahrer sich jedesmal in Gedanken als Mischung aus einer Gallionsfigur und Fliegenresten auf einer Frontscheibe sehen, wenn von hinten die sanfte Druckwelle des knapp vorbeifahrenden Autos leise signalisiert, dass der Rettungssprung in den Graben oder auf den parkenden SUV zeitlich nicht mehr geglückt wäre. Dass ich mich jedesmal an der Landstraße in einem Akt des Nervenkitzels vorsichtig aus der Seitenstraße schiebe, wohl wissend, dass diese radelnden Ganzkörperkondome, die ob der Geschwindigkeitssteigerung oder dem besseren Blick auf das durch den harten Rennsattel gestählten Gemächts mit tief gesenktem Kopf (haben ja einen Helm) die 80 km/h Marke zu knacken gedenken (da ist Geschwindigkeitsbegrenzung 50), die Vorbeifahrt an der Motorhaube meines VW Ups nur knapp schaffen. Dass es für eben jene Radler schwer ist, ihre sportlichen Fähigkeiten im städtischen Ruhrgebiet voll auszureizen. Dass der Rentner im E-Scooter auch irgendwann mal den Radweg kreuzen muss, weil nur dort die Bordsteinabsenkung breit genug ist, und dass der LKW mit dem frischen Obst dazwischen irgendwie den Nachschub im Supermarkt in der Fußgängerzone gewährleisten muss. Das sind Aspekte, über die wir nachdenken sollten, sie bewerten sollten, und auch mal bei der Politik für die beste Ausgestaltung des gemeinsamen Raumes anklopfen sollten. Damit für Jeden, mit was für einem Gefährt oder für Füßen auch immer unterwegs, die Welt (also der kleine Ausschnitt, der für uns davon relevant ist) ein wenig einfacher ist. Und dabei wieder ein wenig Gelassenheit zu entdecken. Kauft euch mehr Lieblingsmusik fürs Auto, den bequemeren Sattel fürs Rad. Guckt euch die hübschen Modelle der vorbeifahrenden Autos an, oder gebt interne Noten für die mehr oder weniger wohlgeformten Rückseiten der Radfahrer, die ihr einen Moment später und dafür mit ausreichendem Abstand überholt. Geht doch. Oder?