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Es gibt viele Ideen. Es gibt Utopien. Es gibt Inseln, auf denen diese bereits gelebt, oder ausprobiert werden.

Fangen wir mit dem Internet an. Das Internet, einst als militärisches Instrument geschaffen, machte einen gigantischen Sprung, als ein paar kluge Menschen das Potential der Freiheit darin entdeckten.

Jeder konnte Inhalte dort für alle zugänglich veröffentlchen. Und dank der damaligen heute eingeschränkten

Netzneutralität (Definition von Netzpolitik.org, Wikipedia, Chaos Computer Club)

konnten diese Daten auch gleichberechtigt abgerufen werden, unabhängig davon, ob diese von Großkonzernen oder von Einzelpersonen online gestellt wurden. 

Freie, offene Software, die dort genutzt wird, bewirkt, dass Nutzer zum Einen einsehen können, was diese Software dort tut, und auch beeinflussen können, woozu diese Werkzeuge fähig sind. Und wozu nicht. Aber auch, dass Menschen überhaupt sich darüber den Kopf zerbrechen. Und auf neue Ideen kommen; verhindern, was für die Allgemeinheit eher unerwünscht ist. 

Das Ganze hat lange ein fragiles Gleichgewicht gebildet, das langsam aus dem Ruder läuft. Wer mehr darüber wissen möchte, möge die Suchmaschine seiner Wahl (in den meisten Fällen wird dies Google sein) nach "Gated Communites" oder "Walled Gardens" bemühen. Facebook macht eindrucksvoll vor, dass es auch den Wenigsten etwas ausmacht, wenn Sie gefilterte Inhalte zu sehen bekommen. Wir vermissen nicht, was wir nicht kennen. Selektion nach Vorlieben mag in vielen Fällen auch passen. Suche ich nach Kochrezepten, mag ich ungerne Zeit damit verschwenden, mich durch kritische Texte zum Selbstkochen zu wälzen, oder durch Angebote von Pizzabringdiensten. Am Anfang der Suchmaschinen wurde mir das - je nach Textfragmenten der gefundenen Seite - in die Ergebnisse gespült. 

Mittlerwieile wird auch meine politische Meinung sowie jede Voriebe von mir gespiegelt. Ich bekomme viel Zustimmung zu meinem Weltbild, wenn ich mich online bewege. Desto mehr erschreckt es, wenn ich mir zum Beispiel das Potential ansehe, das Politikk für Grenzanlagen wie in der DDR oder Ausländerfeindlichkeit bringen. Das sehe ich nicht mehr. Vielleicht hätte ich mir früher Sorgen gemacht, hätte Google nichit so brav gefiltert. Mir die Initiativen vorgeschlagen hat die sich um Problemlösungen statt um Polemik bemühten. 

Außerdem habe ich die Freiheit, Geräte zu kaufen, die nicht zu meinem Nachteil arbeiten. Computer, auf denen ich das Betriebssystem meiner Wahl installieren kann. Aber ich besitze mittlerweile auch ein Tablet, auf dem nichts anderes als iOS installierbar ist. Mein altes MacBook mag nicht mehr die neueste Version des Internetbrowsers Safari installieren, und zeigt deshalb keine Flash-Inhalte mehr an. Bzw. bekomme ich zu manchen Angeboten/Seiten damit keinen Zugang mehr, obwohl dies technisch möglich wäre, und ich die Hardware in dem Book noch aufrüsten konnte.         

Geplante Obsoleszenz wurde bereits mit den mittlerweile nicht mehr erhältlichen Glühbirnen eingeführt, die heute per Gesetz durch die in iherer Gesamtbilanz nicht weniger schädlichen Energiesparlampen ersetzt wurden. Deren Entsorgung ein Vielfaches an Umweltschaden anrichtet. 

Wir haben uns daran gewöhnt, dass Produke nach einer gewissen Zeit ersetzt werden müssen; nicht weil sie nicht so lange halten würden, sondern weil der Hersteller dies so einrichet. 

Deswegen setzen sich so viele in meinem Umfeld mit unendlich viel Energie dafür ein, das Internet, die Computerwelt benutzbar und frei zu halten.

Aber was ist mit dem Rest des Alltags?

Die Verkehrssysteme unterliegen ständiger Erneuerung. Autos sind heute mehr fahrende Computer als damals reine Maschinen mit Verbrennungsmotor. Es ist im Gespräch, fahrerlose Autos zu etablieren. Reinsetzen, ans Ziel bringen lassen. Die Fahrzeuge müssen dann sowohl untereinander, als auch mit der Umwelt kommunizieren. 

Seltsamerweise scheint der Gedanke, dass auch kommunizierende Maschinen und Geräte idealerweise den selben Bedingugnen unterliegen, wie reine Kommunikationsnetze in meiner computeraffinen Umgebung nicht weit verbreitet zu sein. Dort herrschen teilweise die selben diffusen Ängste vor, die Politiker, die das internet nicht verstehen dazu bringen, dies durch Kontrolle und Eingriffe beschränken zu wollen - bis hin zu einem reinen Angebotsmedium für Konzerne, das den Nutzer als reinen Konsumenten sieht. 

All dies dient vorgeblich zu unserem Schutz. Allerdings gibt es für jedes Problem eine Lösung, die einfach klingt, handlich ist, und das Problem nicht löst. 

Ich höre von Verfechtern eines freien, neutralen Internets, von Freifunk-Befürwortern: Aber Autonomes Fahren muss doch beschränkt werden. Wenn da irgendjemand Zugriff auf die Software hat, oder diese auch nur auslesen kann, wären doch alle Verkehrsteilnehmer eingeschränkt. Ja sogar gefährdet. Das Horrorszenario amok fahrender, fremdgesteuerter  ist da. 

Aber:. Irgendjemand programmiert diese Software. Irgendjemand hat da Zugriff drauf. Irgendwo gibt es immer schlaue Menschen, die Mittel und Wege finden, darauf zuzugreifen. Es könntee Staaten geben, die das ausnutzen. Stellt euch die Regime anderer Länder vor, die uns langsam gruseln. 

Deshalb muss ein System flexibel bleiben, Ausnahmen und Risiken zulassen. Um daraus zu lernen. Um die Kreativität zu behalten. Um sich zu erneuern und innovativ zu bleiben. Und eben um Gefahren rechtzeitig zu erkennen, deren Folgen zu erleben und daraus zu lernen. 

Die Zukunft passiert nicht einfach. Sie wird beeinflusst. 

  

Nein, nicht von mir. Naja, nicht direkt. Ich werde euch nicht bezahlen, Außer durch meine Klicks.

Jetzt darf ich ja langsam sagen, dass ich nicht mehr ganz die Jüngste bin. Ich habe das Internet erlebt, als es noch recht jung war; die Verbindung über ISDN als das höchste aller Gefühle galt. Ich kann mich noch daran erinnern, dass Freunde von mir ein Telefonmodem benutzten. Als ich einen Computer bekam, und online ging, gab es schon LAN-Kabel, und einfache Webseiten.

Und die brauchten manchmal. Deswegen war es beliebt, Webseiten so zu bauen, dass sie schnell luden. Das versuchen viele Anbieter von Inhalten heute noch hinzubekommen. Außer dass sie nun ihre Seiten durch Werbung finanzieren. Und hier beißt sich der Hase in den Schwanz. Wenn ich heute eine Seite öffne, auf der ich überwiegend geschriebenen Inhalt erwarte, vielleicht von der regionalen Zeitung, dann versuchen sich mitunter Werbepoppups oder Banner zu öffnen, die das Laden der Seite so in die Knie zwingen, dass ich lange, lange Zeit weder die Werbung noch die Webseite sehe. Noch schlimmer wird es, wenn ich über Tablet oder Smartphone online gehe. Dann lassen sich die Werbeeinblendungen teils nicht oder mit viel Mühe schließen. Teils werde ich mehrfach auf die Seite des Werbenden umgeleitet, ohne je eine Chance zu bekommen, den Inhalt der Seite zu lesen. Oder dass mir dann der 3. Browser auf dem Gerät einfriert oder abstürzt. Ich habe ja wirklich Geduld. Und ich mache in meinem inzwischen doch installierten Adblocker auch Ausnahmen. Ja ich verstehe, dass sich die Regionalpresse durch Werbung finanziert. Aber wenn ich ohne Adblocker die Seite nicht mal mehr im 5. Versuch lesen kann, hört bei mir der Spaß und die Ausnahmeregelung im Blocker auf. Und ich habe nicht mal den Anspruch, dass die Seite schneller lädt, als vor 15 oder 20 Jahren. Ja, so lange ist das schon her. Mein erstes Betriebssystem war Windows 95. Frisch auf dem Markt. Ich war hip, und habe Netscape benutzt. Mittlerweile benutze ich ein Smartphone, das mehr kann, als mein erster Rechner. Und bin Sklave der Werbung geworden.

Ach, was wünsche ich mir Seiten, die meinetwegen auch auf mich zugeschnittene Produkte präsentieren. Ohne mich auszubremsen. Ohne mich mit ermüdenden Ladebalken zu hypnotisieren (klappt eh nicht).

Man wird ja wohl noch träumen dürfen.

 

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In den letzten Tagen ist mir mal wieder bewusst geworden, wie wichtig es ist, dass das Internet nicht nur von großen Konzernen gestaltet wird, sondern auch von vielen Privatpersonen und kleinen Unternehmen.

Beispiel: Autokonfiguratoren.

Ich habe versucht, mir einen Überblick über die Ausstattungsvarianten verschiedener Autohersteller zu verschaffen. Auf den meisten Seiten finden sich Konfiguratoren, in denen ich mir mein Wunschmodell zusammenstellen kann.

So die Theorie.

Ich picke mal den Konfigurator vom Up heraus:

http://app.volkswagen.de/ihdcc/de/configurator.html#30100

VW wirft mir also die selbst gegebenen Namen der Ausstattungsvarianten vor die Füße, ohne mir überhaupt einen groben Überblick zu geben, was sich, außer ein paar Schlagworten dahinter verbirgt. Zum Beispiel kann ich die Automatik (sequentielles Schaltgetriebe beim Up) nur mit bestimmten Modellvarianten bekommen. Also erstmal zurück auf die Seite, oder blind durchprobieren. (Abgesehen davon, dass die Seite auf Smartphones oder Tablets in irgendwelchen Sackgassen verreckt, von denen kein ersichtlicher Link mehr weiter führt.) Auf meinem Netbook muss ich auch tricksen, weil sich zwischendurch lustige Pop-Ups öffnen, bei denen ich die Schaltfläche, die außerhalb der Bildschirmanzeige liegt, anklicken muss.

Dann gibt es tolle Ausstattungspakete, wie "cool & sound" - kostet 560 € und erst auf den 2. Klick sagt er mir, dass ich das Radio für 360 € dann hinzu buchen muss. Also gibt es die Klimaanlage nur in Verbindung mit einem Radio.

Andere Konfiguratoren sind nicht besser. Ich habe unendlich viele Möglichkeiten, Animationen und bunte Bilder zu bekommen. Will ich aber ein paar Merkmale anwählen, und mich von da aus weiterarbeiten (z. B. Automatik, Klimaanlage, Motorvariante), habe ich keine Chance und muss mich erstmal in die Modellpolitik des Herstellers einarbeiten.

Mal abgesehen von den Live-Erlebnissen in diversen Autohäusern. Citroen so: Ich suche einen Jahreswagen; ein Modell mit Klima und einer etwas höheren Motorleistung, wenn möglich Automatikgetriebe. Verkäufer (vorwurfsvoll) "Ich habe aber grad schon ein Fahrzeug für Sie herausgesucht."

Ich: "Ok, was denn für eine Ausstattung"

Verkäufer: "Einen Roten."

Weitere Nachfragen ergaben: Schaltgetriebe, kleiner Motor, die Frage nach der Klimaanlage ging in der Rückfrage des Verkäufers unter "Aber rot darf er schon sein."

Nach meinem "eher nicht" war es irgndwie abzusehen, dass dieses Gespräch nur noch eine Wendung nehmen könnte; nämlich in den Sand.

Zuhause mit dem Konfigurator hatte ich dann ähnlichen Spaß.

Da sind die ganzen Verkaufsseiten marketingtechnisch so durchgestyled, dass der Aufbau der Internetpräsenz zum einen auch das Verhalten des Verkaufpersonals vorgibt; zum anderen gängige Vorurteile und Verallgemeinerungen dem Kunden gegenüber so zementiert, dass ich mich schon schuldig fühle, wenn ich als Kunde andere Prioritäten setze, als das Unternehmen, das mir etwas verkaufen will.

Jetzt gibt es durchaus gute Internetseiten. Seiten, auf denen ich meine Suchen anpassen kann. Auf denen sich klare Angaben und Strukturen finden, die kundenorientiert sind. Hier sind aber meist Privatpersonen oder kleinere Unternehmen die Vorreiter und beweisen Erfolg durch gutes Design.

Und nun stellt euch das Internet mal vor, wenn nur noch große Konzerne die Gestaltung dort vornehmen.

So stell ich mir die Internet-Hölle vor.

Noch mal ein Informations-Sammel-Post ;o)

Weitere Links & Daten werden gerne ergänzt.

(Die Links wurden aus diversen Social Media Kanälen zusammengeklaut).

Die Wikipedia erklärt Netzneutralität 

Youtube-Erklär-Video, wozu fehlende Netzneutralität führen könnte.

Das mit Politik und so: ihr könnt was tun. Nächste Woche noch etwas einfacher, danach wird es immer schwerer, gegen den Mist vorzugehen. Warum? Weil die EU das dann schon auf den Weg bringt.

Gegenmaßnahmen: http://savetheinternet.eu/de/

 

Noch eine Erklärseite

Noch mal: der Termin ist der 17.03.2014 - bis dahin solltet ihr aus dem Quark kommen.

Rufe Deinen EU-Abgeordneten an und verschaffe Deinem Wunsch nach Netzneutralität Gehör: Klick

Hilfestellung für das Telefonat: Klick

Oder wenn ihr es auf Deutsch und im Wiki mögt: *klick* (danke, /)

 

Die Frage stellt Peter Altmaier am 18.01.2014 auf Twitter.

atpeteraltmaier20140118twitter

Und beantwortet sich die Frage gleich selbst: "Vielleicht, weil sie Kinder es Internets sind, die ihre Eltern nicht verstehen."

Ja, damit liefern Sie, Herr Altmaier, auch gleich die Antwort mit. Mir scheint, dass Sie die Piraten wie Kinder ansehen, die einfach nicht einsehen wollen, dass die Eltern mit ihrer Erfahrung doch nur Gutes für ihre Nachkommen wollen. Diese Haltung schlägt mir so oft entgegen und ins Gesicht. Die alteingesessene Politik will nur unser Bestes. Wir Piraten sollen einfach nicht die Weitsicht haben, um zu verstehen, dass alles nur in unserem Sinne passiert, und sich schon von alleine regelt?

Nun. Falsch. Zum einen sind die Piraten erwachsen geworden. Vielleicht kann man uns dies vorwerfen. Nicht einfach mit dem Fuß aufstampfen, laut herum brüllen. Wir versuchen, zu erklären, welche politischen Forderungen für das Internet einfach technischer Schwachsinn ist. Sie erinnern sich an die Zensursula-Stoppschilder? Wir appellieren an die Vernunft der Menschen, die diese Welt gestalten wollen. Uns Piraten ist leider nur zu sehr bewusst, dass wir als außerparlamentarische Opposition keine Vorschriften selbst ändern können. Wir haben durch eben dieses Internet Kontakte in viele Länder, und sehen, was dort Regierungen angerichtet haben. Welche teils schlimmen Auswirkungen die dortige Politik auf freie Kommunikation, freie Meinungsäußerung und freie Presse hatte.

Wir sehen, wie Weltkonzerne die Aufgaben von Regierungen und Justizbehörden übernehmen (und sich damit Zug um Zug jeglicher Einflußnahme entziehen). Wir sehen Politiker, die im alten Stil weiter machen. Die die Technik nie gelernt haben, und sich von windigen Beratern impfen lassen, an deren finanziellen Tropf sie längst verwachsen sind.

Wir Piraten benehmen uns nicht wie Kinder und wir haben unsere Vorgänger längst verstanden. Aber jetzt wird es Zeit, die gewohnten Bahnen zu verlassen. Und das macht wiederum so vielen Angst. Das Internet ist eben keine fremde, ferne Welt mehr, sondern eine Umgebung, ein Werkzeug und so gut mit den restlichen Aspekten unseres Lebensraums vernetzt, dass die Grenzen verschwimmen, wie einst die Schlagbäume in Europa abgebaut wurden.

Und so gleicht die eine große Idee just in diesem Moment wieder der anderen. Menschen schreien aus purer Angst und Verunsicherung nach neuen Grenzen; nach Schuldigen, die es mit maximaler Härte zu verfolgen gilt. Da frage ich mich: Wer sind jetzt hier die Kinder, die es zu beruhigen, zu belehren und an die Hand zu nehmen gilt? Kinder sind es, die aus Angst vor dem Monster unter dem Bett in der Nacht das Licht anlassen. Kindische Menschen sind es, die aus Angst vor dem bösen Ausländer die Tore schließen wollen. Die nach dem allmächtigen Staat rufen, der niemand, den sie nicht kennen oder zu kennen glauben hereinlassen soll. Kindische Menschen sind es, die die offenen Wege der Kommunikation beschneiden wollen, weil sie deren Limit nicht im Blick behalten können. Es sind nicht diejenigen, die es geschafft haben, im Geiste erwachsen zu werden.

Und hier ist eben nicht das laute Strohfeuer der Weg, weil genau DAS kindisch ist, und die Wirkung verpufft, so schnell sie da gewesen ist. Hier ist eine erwachsene und gebildete Beharrlichkeit von Nöten.

Und hier können Sie sich drauf verlassen, Herr Altmaier, wir sind nicht kindisch, wir sind nicht laut, aber wir Piraten sind da. Und gehen nicht einfach wieder weg, wie ein Kind, das man ins Bett schickt.

 

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Update 19.01.2014

PeteraltmaierUpdate20140119

PeteraltmaierupdateII 2014-01-19 11:09:33